Ein Hügelbeet anlegen

8. Oktober 2020

Was ist ein Hügelbeet und warum zahlt es sich aus?

In Regionen wo der Boden fast zu gut Wasser speichert, wo feuchte, schwere Böden zum Alltag gehören, da wärmt sich der Boden im Frühjahr langsamer durch. Ein Hügelbeet, das vom Prinzip her wie eine Kompostmiete funktioniert – durch den Verrottungsprozess entstehen Wärme und Nährstoffe – steht quasi über der Bodenkühle und kann somit früher und im Jahresverlauf auch länger bepflanzt und beerntet werden. Andererseits, wer sagt das ein Hügelbeet immer ein Gemüsebeet sein muss?

Hügelbeet - Blaukraut und Malven
  • Genau, natürlich kann man ein Hügelbeet auch mit Stauden und niederen bis mittelhohen Gehölzen oder Beerenobst bepflanzen. Der Grundaufbau ist derselbe. Für gewöhnlich durchwurzeln diese Pflanzen das Beet besser und tiefgründiger als Gemüse. Dadurch wird es insgesamt stabiler und hält länger. Als Wind- oder Sichtschutzhecke, geschützte Spielecke oder ertragreiches Beerenobstbeet ideal.

Wichtiges zum Hügelbeet

Ein Hügelbeet anzulegen macht im ersten Schritt jede Menge Arbeit – die Vorteile liegen auf der Hand. Es sind die gleichen wie bei einem Hochbeet jedoch ist es kostengünstiger weil man keine Umrandung braucht. Außerdem bietet das Hügelbeet mit der vergrößerten Beetfläche einen weiteren Pluspunkt.

Die Eckdaten:

Heidelbeeren
  • Um die Sonne und ihre Wärme optimal zu nutzen ist eine Nord/Süd-Ausrichtung ideal. Die Längsseiten werden so gleichmäßig bestrahlt und aufgewärmt.
  • Die Breite liegt bei 1,2 bis 1,5m und in der Höhe sind etwa 1m ideal. So kann man das Beet von allen Seiten aus noch gut bearbeiten.
  • Die Länge richtet sich nach dem persönlichen Platz und Bedarf. Empfohlen werden immer wieder 4m, die finde ich persönlich zu kurz, scheint aber auch irgendwie die Mindestlänge zu sein. Ich bin eher bei gut 6m dabei. In einem Gemeinschaftsgarten habe ich ein sehr gut funktionierendes Hügelband über mehre Jahre beobachten können – es war gut 12m lang.

Für manche Gartenbesitzer macht es Sinn ein Hügelbeet einzufassen. Das kann eine bis 25cm hohe Umrandung aus Lärchenholz oder entsprechend großen Flusssteinen sein.

Wann sollte man ein Hügelbeet anlegen?

Idealerweise im Herbst – für den Aufbau werden unter anderem Äste, Laub und Grünschnitt gebraucht. Im Herbst werden viele Sträucher und Stauden zurückgeschnitten – so kann das anfallende Pflanzenmaterial ganz im Sinne der Permakultur direkt im eigenen Garten verwertet werden.

Vor- und Nachteile eines Hügelbeetes

VorteileNachteile
durch den Abbau-Prozess im inneren werden Wärme und Nährstoffe freigesetztes fällt langsam in sich zusammen
früherer Pflanzbeginn und frühere Ernte der obere Bereich trocknet schneller aus
längere KulturzeitParadies für Wühlmäuse
keine Staunässe der untere Rand muss jährlich aufgeschaufelt werden
weniger Pilzkrankheiten
einfache Pflege und Bepflanzung
größere Anbaufläche

Die Anleitung zum Hügelbeet-Aufbau im Detail

Die Schichten werden als Wälle angelegt, so bildet sich von allein die typische Hügelform.

  1. Auf gewählter Fläche die Rasensoden 10-12cm tief abziehen und seitlich lagern, wir brauchen sie wieder.
  2. Mittig der Fläche einen gut 75-90cm breiten Graben mit etwa spatentief ausheben.
  3. Die ausgehobene Erde von Steinen befreien und ebenfalls seitlich lagern.
  4. Die gesamte Fläche mit einem Hasengitter oder einen sehr engen Maschendrahtzaun als Wühlmaus-Schutz auskleiden und am besten mit Zeltheringen im Boden verankern.
  5. Den Graben nun mit grob zerkleinertem Strauchschnitt, Ästen und nicht zu dicken Baumstämmen füllen, festtreten und insgesamt noch fast einen halben Meter weiter wallartig aufhäufen.
  6. Rund um und auf das Schnittgut kommen nun die umgedrehten Rasensoden und der Aushub vom Graben. Diese Schicht ist etwa 15-20cm stark.
  7. Dann kommt eine ebenso hohe Schicht Laub, Grün- und Staudenschnitt.
  8. Anschließend 15cm abgelagerter Stallmist oder halbfertiger Kompost.
  9. Als letzte Schicht mit bis zu 25cm Stärke, gesiebter Humus, Gartenerde gemischt mit fertigem Kompost.

Jede einzelne Schicht gut festdrücken oder -treten und abschließend mit einem dicken Vlies oder einer Mulchschicht abdecken – die Prozesse darunter können in Ruhe starten, und bei einem nassen Herbst/Winter rutscht nichts ab. Auch eine gesäte Gründüngung aus Senfsaat, Buchweizen oder Lein schützt ebenfalls vor dem Austrocknen, Erosion und Auswaschungen. Sie stirbt über den Winter ab und wandelt sich in wertvollen Humus um.

Nun nur mehr jährlich im Frühjahr einige Zentimeter reifen Kompost aufbringen und dem Pflanzenglück steht nichts mehr im Weg. Es hat sich bewährt in den ersten beiden Jahren nach Neuanlage den Jungpflanzen gegenüber einer Direktsaat den Vorzug geben.

Ein Hügelbeet bepflanzen

Im Sinne von Fruchtfolge, nach Permakulturprinzipien und in Hinblick auf die vorhandenen Nährstoffe sind folgende Grundlagen zu beachten:

Anfangs wird jede Menge Stickstoff freigesetzt, für Starkzehrer wie Kraut, Brokkoli, Tomaten, Lauch, Gurken, Mais oder Blumenkohl ideal. Zucchini und Kürbis ebenfalls, sie brauchen Unterstützung in Form von magnesiumhaltigen Hornspäen (Früchte).
Erst ab dem zweiten Jahr kommen mittelstarke Zehrer aufs Beet: Kohlrabi, Paprika, Fenchel, Lauch und ab dem dritten Jahr auch Rote Beete, Karotten, Erbsen oder Zwiebeln und Knoblauch.
Blattgemüse wie Spinat, Mangold und Salate sowie Rettiche, Pastinak und Wurzelpetersilie generell erst ab dem dritten Jahr – sie nehmen sonst zuviel Nitrat auf.
Im vierten Jahr können die Schwachzerer wie Buschbohnen, Kräuter (Petersilie, Dill, Bohnenkraut, Rosmarin, Thymian, Liebstöckl, Borretsch), Feldsalat, Radieschen, Rüben und Erdbeeren gepflanzt werden.
Ist man dann im letzen Hügelbeetjahr angekommen pflanzt man als Abschlusskulturen Kartoffeln oder Buschbohnen.

Grundsätzlich pflanzt man oben eher Gemüse das mit Trockenheit gut zurecht kommt (Lauch, Zwiebeln und bis zu einem gewissen Grad auch Tomaten). Salate, Zucchini oder Gurken kommen in den unteren Bereich wo es gleichmäßiger feucht bleibt.

Bei Beerensträuchern, Stauden und kleine Gehölzen sollte man natürlich auch den Wasserbedarf berücksichtigen. Im Oberen Bereich tun sich tiefer wurzelnde Gehölze und trockenheitsverträgliche Stauden (Schafgarbe, Glockenblumen, Lein, Schleierkraut,…) einfach leichter beim Anwachsen. Pflanzt man Beerensträucher so kommt das Säulenobst oder Ribes und Stachelbeeren in den oberen Bereich, An die Nordseite pflanzt man die Heidelbeeren. Apfel- und Lenzbeeren kommen in den mittleren Bereich. Eine Unterpflanzung erfolgt nach 3-4 Jahren mittels Preislbeeren sowie Erdbeeren über die gesamte Fläche. Bis dahin die Beetfläche immer mit Laub oder einer Mulchschicht abdecken.

Himbeeren und Brombeeren bekommen besser einen eigenen Bereich im Garten. Sie empfehlen wir nicht für ein Hügelbeet.

Hügelbeet und Permakultur

Viele Prinzipien die es in der Permakultur gibt können mit Hilfe eines Hügelbeetes leicht umgesetzt werden.

Gartenabfälle werden beim Aufbau verwendet und bleiben im Garten.
Die Bodenbearbeitung fällt weg.
Ohne zusätzliche Düngergaben kann über mehrere Jahre Gemüse angebaut werden.
Die Oberfläche wird mit Mulch vor Unkräutern und Austrocknen geschützt.
Nach 5-6 Jahren ist es notwendig ein neues Hügelbeet zu bauen. Die Erde ist feinkrümelig und enthält noch immer wertvolle Nährstoffe und Mikroorganismen. Sie verteilt man im Garten unter Beerensträuchern oder Stauden.

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